WDR - Radiobeiträge über TaKeTiNa
          von Kirsten Becker zum Anhören

DSL - Qualität WDR 5 - "Scala" vom 16.6.2006
DSL - Qualität WDR 3 - "Resonanzen" vom 09.11.2006

 

TaKeTiNa - Ein vitaler Weg in die Gedankenstille

"Ich denke, also bin ich" sagte René Descartes. Denken kann ein kraftvolles Werkzeug sein, doch in der Regel dominiert zwanghaftes Denken das tägliche Leben. Es ist selten verankert in der Gegenwart, beschäftigt sich mit Zukunft und Vergangenheit, macht Sorgen und nörgelt, macht Angst vor Fehlern und Blamagen. So verhindert es die wache, lebendige  Präsenz, die einen ungetrübten Kontakt zu sich und anderen ermöglicht.
Es verhindert aber auch die Möglichkeit, sich musikalisch tragen zu lassen und sich in Gelassenheit frei und lebendig mit der Stimme oder dem Instrument auszudrücken.

Rhythmus als Urkraft des Lebens hat das Potential, diese Zwänge aufzulösen. Die TaKeTiNa-Rhythmus-Pädagogik (nach Reinhard Flatischler) ist eine ganzheitliche rhythmisch-musikalische Gruppenarbeit, die nicht nur das musikalische Lernen revolutioniert. Mit TaKeTiNa steht ein gleichzeitig kraftvolles und sanftes "Rhythmus-Werkzeug" für tiefgreifendes menschliches Lernen zur Verfügung

Der TaKeTiNa-Prozess schult fundamentale rhythmische Orientierung.
Wie von selbst landen Menschen, die sich gestern noch für "unrhythmisch" oder "unmusikalisch" hielten, mit Schritten, Klatschen und Stimme in 3 oder mehreren verschiedenen Rhythmen gleichzeitig. Wie man vermuten kann, geht das weit über das musikalische Lernen hinaus – mitten hinein ins "richtige" Leben.
Die TaKeTiNa-Rhythmus-Pädagogik verlässt die ausgetrampelten und oft starren Pfade des linearen Lernens und begreift Lernen - wie es die eigentliche Anlage des Menschen ist - als einen nicht-linearen Prozess, in dem musikalisches Lernen und ein innerer Prozess der Reifung eins werden.

 

 

Die Ta Ke Ti Na Rhythmus-Pädagogik

ist ein musikalischer Gruppenprozeß, durch den jeder Mensch Zutritt zu seiner rhythmischen Begabung bekommt. Sie vermittelt Rhythmus so, wie der Mensch ihn von Natur aus am Besten lernen und verstehen kann. Anstatt Rhythmus-Patterns einzustudieren, wird der Lernende direkt zur Erfahrung elementarer musikalischer Bausteine geführt, die im Bewußtsein jedes Menschen verankert sind.
Die Teilnehmer kommen mit ihrem rhythmischen Urwissen in Berührung.

Der Körper ist das Hauptinstrument, die Begegnung mit Rhythmus erlebt der Lernende direkt und intensiv. Mit der Stimme, mit Klatschen und mit Schrittbewegungen werden die Teilnehmer im Ta Ke Ti Na Prozeß gleichzeitig auf drei unterschiedliche Rhythmus-Ebenen geführt. Der Puls einer Baßtrommel begleitet und stabilisiert den Grundrhythmus der Schritte, im Klatschen hingegen bauen sich kontrastierende Rhythmen auf. Ein ständig sich verändernder Wechselgesang bringt das improvisierende Element und die destabilisierende Kraft in den Prozeß. Im Zusammenwirken von Stabilisierung und Destabilisierung fallen einzelne Teilnehmer immer wieder aus dem Rhythmus. Der Rhythmus der Gruppe aber holt jeden sanft und kraftvoll zugleich zurück - ein Prozeß, in dem sich tiefgreifendes musikalisches Selbstvertrauen entwickelt.

Im Ta Ke Ti Na Prozeß ist musikalisches Lernen immer auch ein menschlicher Lernprozeß. Das, was unser Leben behindert, spiegelt sich darin als musikalisch-rhythmisches Problem wieder und kann durch rhythmisch-musikalische Arbeit transformiert werden. Denken und Fühlen, intuitives Ahnen und kognitives Handeln, äußere Bewegung und innere Stille beginnen miteinander zu kooperieren, das Denken wird still und es entsteht Raum für Visionen.

Die Ta Ke Ti Na Rhythmus-Pädagogik ergänzt die Vielfalt vorhandenen Wissens mit neuen Sichtweisen und einer Terminologie, die sich an Naturphänomenen orientiert. Sie ist ein ganzheitlicher Weg zum Lernen von Trommeln und eine unerschöpfliche Quelle für das Komponieren und Arrangieren von Musik. Der Lernende bekommt direkten Zugang zu den Rhythmuswelten Afrikas, Asiens, und Lateinamerikas, aber auch europäischer Musik, Jazz oder Hip Hop können aus ihrer Eigenart verstanden werden.

 

 

Die Prinzipien der Ta Ke Ti Na Rhythmus Pädagogik

Die Ta Ke Ti Na Pädagogik verbindet Wissen und Prinzipien aus Musik, Tanz, Kommunikation, Gehirnforschung und Chaostheorie zu einer neuen Form musikalischen Lernens. Sie wurde von dem österreichischen Musiker Reinhard Flatischler in jahrzehntelangen Arbeitsgruppen entwickelt.

Das Lernen mit dem Körper

Musikalische Grundfähigkeiten und rhythmisches Bewußtsein lassen sich mit dem Körper direkter, effektiver und schneller entwickeln, als durch das Spielen von Musikinstrumenten. Das Lernen mit dem Körper ist zugleich eine effektive Vorbereitung für ein lustvolles und erfolgreiches Instrumentalspiel. In den Lernprozeß mit dem Körper können auch Menschen einbezogen werden, die Musik sonst niemals aktiv kennenlernen würden.

Das Lernen im Wechsel zwischen Chaos und Ordnungsphasen

In diesem Wechsel kann die Kraft der Selbstorganisation den Lernprozeß unterstützen. Die Gruppe wirkt dabei als Stabilisator, der dem Einzelnen ermöglicht aus dem Rhythmus zu fallen, ohne dabei den Anschluß zur Musik zu verlieren. Dabei bildet sich profundes Vertrauen in die tragende Kraft von Rhythmus. Musikalisches Zusammenspiel, organisch fließendes Musizieren und selbstverständliche rhythmische Orientierung werden lernbar.

Das Arbeiten auf mehreren rhythmischen Ebenen zugleich

Der Lernende wird mit Schritten, Klatschen und mit der Stimme in drei unterschiedliche Rhythmen geführt. Dies ermöglicht ihm früher oder später mehrere unterschiedliche Rhythmusebenen gleichzeitig wahrnehmen und spielen zu können. Die Gegensätzlichkeit von Denken und Fühlen, Aktivem Handeln und Passivem Geschehen lassen, von Sprechen und Hören löst sich dabei auf.

Das Lernen im archetypen Bereich

Heute haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Zugang zur Musik aller Kulturkreise. Dabei zeigt sich, daß die Vielfalt unterschiedlicher Musikformen auf archetypischen Urformen rhythmischer Bewegungen beruht. Diese sind als "Urbilder" in jedem Menschen angelegt. Der Ta Ke Ti Na Prozeß führt den Lernenden zur körperlichen Erfahrung dieser "Rhythmus-Archetypen" und greift dabei auf ein menschliches Urwissen zurück, das bei den meisten Menschen der westlichen Zivilisation in Vergessenheit geraten ist.

Das Lernen durch Wiederholung

Da im Ta Ke Ti Na Prozeß stets mehrere rhythmische Ebenen aufeinander wirken, erlebt der Lernende ständig etwas Neues, auch wenn der Schritt- Rhythmus über lange Zeit unverändert bleibt. So kann jemand, der aus dem Rhythmus fällt, in ein sich entfaltendes, musikalisches Geschehen mühelos wieder einsteigen.

Individuelles Lernen im Kollektiv

Im Ta Ke Ti Na Prozeß kann jeder in seinem eigenen Zeitmaß lernen, ist zugleich aber auch Teilnehmer an einem dynamischen, musikalischen Gruppenprozeß. Anfänger und erfahrene Musiker können durch die Vielschichtigkeit des Ta Ke Ti Na Prozesses im gleichen Kreis miteinander lernen.

Ta Ke Ti Na - Rhythm for Evolution

Der Ta Ke Ti Na Prozeß verbindet nonverbales Erleben mit verbaler Integration des Erlebten. Musikalisches Lernen bedeutet dabei stets auch einen menschlichen Lernprozeß. Denn das, was das Leben behindert, spiegelt sich im Ta Ke Ti Na Prozeß als musikalisch-rhythmisches Problem wider und kann durch die rhythmisch-musikalische Arbeit transformiert werden. Aus diesem Grund wird die Ta Ke Ti Na Rhythmus-Pädagogik auch in therapeutischen Einrichtungen eingesetzt.